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Oltner Tagblatt; 13.03.2006

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Die Premiere von «Sister Act» begeisterte das Publikum restlos

Grosser Musical-Stoff - grossartig erzählt

Die Spielleute Trimbach haben sich mit «Sister Act» an eine Grossproduktion gewagt: 55 Akteure aus der ganzen Region spielen und singen, tanzen und mimen eine Musical-Adaption der berühmten Hollywood-Kiste. – Und schon nach dem Premierenabend ist ohne falsche Scheu nur ein Prädikat angemessen: es war eine in allen Belangen grossartige Leistung. Das Publikum bedankte sich mit minutenlangen Ovationen.

von Fabian Saner

Die Geschichte kennt fast jeder – sie ist einer der epochalsten Renner aus der Illusionsmaschine Hollywood, und, man muss es zugeben, eignet sich als Story für einen vergnüglichen Abend wirklich vorzüglich: Die Sängerin aus der Glamourglitzerwelt einer US-amerikanischen Casinostadt hat sich mit ihrem Freund, einem reichen Gangster, überworfen und beobachtet zufällig, wie dieser einen Mord ausführen lässt. Die Polizei versteckt die werdende Kronzeugin im Nonnenkloster vor ihren Häschern – wo dann symptomatisch die abrupte Kollision von Showkultur und asketischer Weltabgeschiedenheit exemplarisch durchexerziert werden kann, natürlich mit dem Ergebnis einer Öffnung der rigiden schwesterlichen Erstarrung hin zur Welt, in der sich das alles vollzieht.

Geglücktes Grossunternehmen

Wohnt bereits dem Film mit der charismatischen Idealbesetzung der Hauptrolle durch Whoopi Goldberg gehäuft Suchtpotenzial inne, wird dessen Umsetzung als Musical vollends zum gesanglich-schauspielerischen Grossereignis, zum Stoff, aus dem die Träume dieses Genres gewoben sind. – Und bereits nach dem Premierenabend darf man gewagt konstatieren: Das Grossunternehmen der Trimbacher Spielleute ist vollauf und in beeindruckender Art und Weise geglückt.

Die einjährige, gezielt professionelle Vorbereitung, das riesige Aufgebot an Laiendarstellern, die musikalische und schauspielerische Umsetzung, die sanft angepassten Rollen, die gezielt gesetzten zusätzlichen Pointen und Akzentverschiebungen der Regie, das liebevoll arrangierte Bühnenbild, die sorgsam austarierte Choreografie, die beeindruckende Qualität der Chöre, die einwandfreie schauspielerische Leistung: Alles sass – zumindest in der Aussenwahrnehmung – perfekt und fügte sich in ein Gesamtbild, wie es Laienproduktionen nur selten dermassen stimmig und kohärent zustande bringen.

Da war – man merkte es wirklich allen Akteuren an – die totale Begeisterung das Salz des Gelingens. Keine sicht- und hörbaren Stolperer und Holperer, keine peinlichen Pausen, vielleicht da und dort etwas überschwängliche Gestik und eine etwas chaotische Note im Schlussbouquet, nun denn: Das gehört auch zu den Ingredienzen des Musicals und störte den Gesamteindruck nicht im Geringsten.

Die Illusion funktionierte

Die Schauspieler lebten sich in ihre Rollen hinein, fielen auch im stummen Rollenspiel nicht aus der Bühnensituation heraus – die Illusion funktionierte von A bis Z, der hoch komplexe Ablauf mit insgesamt 55 Akteuren und unzähligen Bühnenbild-Wechseln klappte reibungslos, die Übergangssequenzen (aus der Kirche auf die Strasse, aus dem Casino auf den Polizeiposten et cetera) mit Bühnenbild-Umbau sorgten für stete Abwechslung ohne Konfusion; und schon dies ist eine Leistung und bedingt, dass alle den Spielplan bis ins letzte Detail verinnerlicht haben.

Die farbenfrohe und musikalisch variantenreiche Musical-Adapation der Trimbacher Spielleute glänzte aber nicht nur als Gesamtkunstwerk, sondern auch in der mitreissenden Präsenz jeder individuellen Rolle. Judith Cahannes Begni als Dolores van Cartier und die gestrenge Mutter Oberin des Nonnenklosters (Elisabeth Studer-Büttiker), die beiden Antagonistinnen, interpretierten den grossen Mentalitätsgegensatz dieser beiden Welten formvollendet.

Die Casino-Gang (Marc Vogel, Konrad von Allmen, Urs Matter) verinnerlichte den Gangster-Habitus glänzend – waren da Milieustudien vorausgegangen? Isabel Schweizer und Francesca Crea erinnerten als naiv-vorwitzige Nonnen stark an die Filmvorlage von «Sister Act» und passten wie angegossen an ihre Vorbilder.

Spontaner Applaus

Die Nachtclubsängerinnen, der Nonnenchor, der weltliche Chor und die Tanzgruppe beherrschten je ihr Metier, beeindruckten mit einstudierten Chroeografien und genossen den Lohn für unzählige Probelektionen in den vielen spontanen Applaus-Bekundungen des Publikums.

Das Musical soll unterhalten, ohne auf die grossen Geschichten verzichten zu müssen. Das Musical ist Showbiz und Roman, Theater und Chorvorführung in einem – und die Spielleute Trimbach haben mit «Sister Act» alle Einzel-Elemente in ein buntes und farbenfrohes Spektakel zusammengeführt. Da gibt es nichts, was unpassend wäre oder nicht in den Gesamtzusammenhang eingebettet.

Die grosse Arbeit hat sich mehr als gelohnt: Das Resultat zeugt vom spielerischen Enthusiasmus, den Laienschauspieler unter professioneller Anleitung entwickeln können. – Ein 150-minütiger Zauber aus Gesang und Begeisterung, heftiger Spiellust und Chor-Verve ohne eine einzige Sekunde der Lächerlichkeit. Respekt.

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